Durchschnittstypen | Markus Hengstschläger

Tafelbild MESA16 Markus Hengstschläger

Univ. Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für medizinische Genetik an der medizinischen Universität Wien, referierte auf gekonnt humorvolle Weise am 5. Dezember 2016 am Microsoft Education Summit über das Thema Durchschnittstypen im österreichischen Schulsystem.

Vorstellung Markus Hengstschläger
Vorstellung Markus Hengstschläger

Zu Beginn erklärte Herr Hengstschläger, dass es in der Regel zwei unterschiedliche „Zukunften“ gibt. Einerseits kennen wir die vorhersehbare Zukunft. Laut Hengstschläger sei die Zukunft noch nie so vorhersehbar gewesen wie heute. Wir treffen sogar 95 % aller Entscheidungen unter der Voraussetzung, die Zukunft zu kennen. Wenn es eine vorhersehbare Zukunft gibt, existiert natürlich auch eine unvorhersehbare Zukunft. Diese Art der Zukunft könnte man auch Bauchgefühl, Erfahrung oder Über-Ich nennen. Ebenso sprach Herr Hengstschläger über die Industrialisierung 4.0, in der sich die Information pro Tag einmal verdoppelt. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die unterschiedlichen Arten von Innovation. Es gibt eine gerichtete und eine ungerichtete Innovation. Bei der gerichteten Innovation einer Firma wird beispielsweise ein Produkt erst nach mehrmaligem Nachfragen der Kunden angekauft. Bei der ungerichteten Innovation schafft man hingegen die Antworten, ohne die Fragen dazu zu kennen. Herr Hengstschläger erklärte auch auf humorvolle Weise wie man zu Innovationen kommt, indem man einfach den Innovationen Anderer folgt.

Vortrag Markus Hengstschläger
Vortrag Markus Hengstschläger

All die oben erwähnten Elemente spielen natürlich auch für die Entstehung von Durchschnittstypen eine große Rolle. Im österreichischen Schulsystem schwimmen die meisten Schüler/innen mit dem Strom bzw. gehören dem Durchschnitt an. Ist ein/e Schüler/in beispielsweise in Deutsch gut, in Mathematik jedoch schlecht, erhält er/sie den Auftrag sich von nun an nur mehr auf Mathematik zu konzentrieren und Deutsch mehr oder weniger zu vernachlässigen, weil er/sie in diesem Fach sowieso gut ist. Setzt der/die Schüler/in diesen Vorschlag um, kommt im Endeffekt ein/e durchschnittliche/r Schüler/in heraus. In Österreich ist es also besser sich mit der Mehrheit zu irren, als alleine Recht zu haben. Herr Hengstschläger möchte daher im österreichischen Schulsystem einen weiteren Beruf einführen. Er würde Scouts beauftragen, die Talente oder Stärken der Schüler/innen erkennen und Lehrpersonen würden nur Schüler/innen in Fächern unterrichten, die ihnen gefallen bzw. in denen sie gut sind. Somit könnte jede/r Schüler/in seine Stärken ausbauen und wir hätten in unterschiedlichen Gebieten Profis und nicht Menschen, die sich überall ein wenig auskennen aber nirgends Fachmänner bzw. Fachfrauen sind.

Um sich hier jedoch als Schüler/in in nur einem Gebiet weiterzubilden und um dort wirklich ein Profi zu werden, bedarf es einer ordentlichen Portion Mut.

Dieser 30-minütige Vortrag von Herrn Hengstschläger war ein kleiner Vorgeschmack auf sein Buch „Die Durchschnittsfalle: Gene – Talente – Chancen“. Wer hier mehr erfahren möchte kann sich gerne in diesem Buch schlau machen.