Einsatz von Digitalen Schulbüchern im Unterricht

Normalerweise schreibe ich die Blogs bezogen auf ein bestimmtes Thema bzw. einen bestimmten Vortrag. Dieser Blog ist anders! Der Grund dafür ist, dass ich in mehreren Vorträgen immer wieder mit dem Thema digitales Schulbuch in Berührung gekommen bin, und ich mit keiner der präsentierten Lösungen restlos zufrieden war. Es wäre also falsch hier einen der Vorträge herauszupicken und diesen allein, stellvertretend für alle, zu kritisieren.

Um was geht es hier bzw. was kritisiere ich an den digitalen Schulbüchern. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass das digitale Schulbuch lediglich eine 1:1 Kopie des analogen Schulbuchs ist. Mit kommt vor, als wenn die Verlage sich nur Gedanken gemacht hätten, wie man bei möglichst geringen Kosten auf den Zug „Digitalisierung“ aufspringen kann.

Wie kann man sich das Ganze vorstellen? Ganz einfach, man scannt das analoge Schulbuch ein, verändert nichts, und stellt es als PDF zur Verfügung. Was mir ebenfalls negativ auffällt ist, dass diese 1:1‑Kopie oft sogar noch zusätzlich monetär erworben werden muss, auch wenn man bereits die analoge Version des Schulbuches käuflich erworben hat.

Hier stellt sich mir natürlich die Frage des Mehrwerts? Was habe ich davon, wenn ich die Inhalte des analogen Schulbuchs digital zur Verfügung habe? Mir fallen genau zwei Gründe ein. Erstens, ich muss das Schulbuch nicht in der Tasche mitschleppen und zweitens, ich kann die Suchfunktion nützen, um schnell zum Gesuchten zu kommen. Aber dann ist auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht.

Wo bleiben die Vorteile der digitalen Version von Schulbüchern, wie Multimedialität und Interaktivität? Wo bleibt die Abbildung der Binnendifferenzierung in Form von Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden? Wo bleibt die Möglichkeit der Zurverfügungstellung von verschiedenen Lernmaterialien (Video, Text, Audio, Spiele, LearningApps etc.) wo die Schüler_innen selbstständig, je nach Lerntyp und -tempo, seine/ihre Lernmaterialien auswählt? Wo bleiben die Möglichkeiten die Schüler_innen in Form von Wertschätzung mit einem Punkte- oder Sternesystem zu motivieren? Warum werden die Lernfortschritte nicht digital (Ampelsystem) mitprotokolliert und den Schüler_innen anschaulich präsentiert, damit die Schüler_innen jederzeit für den Stand ihrer Lernfortschritte informiert sind.

Was ich ebenfalls noch bemängle ist, dass oft auf die Anforderungen der Lehrpersonen vergessen wird. Warum gibt es kein in den digitalen Lernbüchern integriertes System, welches das Management und die Organisation der Lerneinheiten erleichtert. Dazu gehören einfache Funktionen, wie die Verteilung von Aufgaben oder Hausübungen, deren spätere einfache Kontrollmöglichkeit aber auch komplexere Funktionen wie das Hinterlegen eines Bewertungs- und Beurteilungsschlüssels.

Es gibt eine Menge an Funktionalitäten, die ich mir von einem digitalen Schulbuch erwarte, die derzeit nur mangelhaft oder nur rudimentär umgesetzt sind. Solange das digitale Schulbuch nur eine 1 : 1‑Kopie des analogen Schulbuches ist, wird es nie das große Potential der Digitalisierung ausschöpfen.

Anbei ein paar nützliche Links:

Digitale Schulbücher = besseres Lernen?

Buchtipp: Elektronische Schulbücher aus fachdidaktischer Perspektive

Das digitale Schulbuch – erste Eindrücke

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